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	<title>Aufruf zum Handeln</title>
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	<description>Wir brauchen Forschung und Entwicklung für vernachlässigte Krankheiten!</description>
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		<title>Aufruf zum Handeln: Wir brauchen Forschung und Entwicklung für vernachlässigte Krankheiten!</title>
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		<pubDate>Mon, 22 Mar 2010 20:32:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Vernachlässigte Krankheiten: Die Forschungslücke
Als vernachlässigte Armutskrankheiten bezeichnen wir die Krankheiten, die vor allem in ärmeren Ländern auftreten und zu deren Bekämpfung die Forschung und Entwicklung unzureichend ist. Zu diesen Krankheiten zählen Tuberkulose, Malaria, vierzehn von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) spezifizierte Tropenkrankheiten sowie einzelne Aspekte der Prävention, Diagnose und Behandlung von HIV/Aids, wie spezielle Medikamente für Kinder [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Vernachlässigte Krankheiten: Die Forschungslücke</h3>
<p>Als vernachlässigte Armutskrankheiten bezeichnen wir die Krankheiten, die vor allem in ärmeren Ländern auftreten und zu deren Bekämpfung die Forschung und Entwicklung unzureichend ist. Zu diesen Krankheiten zählen Tuberkulose, Malaria, vierzehn von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) spezifizierte Tropenkrankheiten sowie einzelne Aspekte der Prävention, Diagnose und Behandlung von HIV/Aids, wie spezielle Medikamente für Kinder oder Mikrobizide und Impfstoffe. Millionen Menschen – die zum Großteil in ärmeren Ländern leben – werden so vom medizinischen Fortschritt ausgeschlossen. Wir sind der Meinung, dass die Bedürfnisse dieser Menschen nicht länger vernachlässigt werden dürfen. Die Millennium-Entwicklungsziele der Vereinten Nationen können nur erreicht werden, wenn diese Forschungslücke geschlossen wird.</p>
<h3>Handlungsbedarf</h3>
<p>Die Forschungslücke für vernachlässigte Krankheiten hat zwei Hauptursachen: Pharmazeutische Unternehmen investieren erstens vorrangig in die Entwicklung von Produkten, für die es lukrative Absatzmärkte gibt. Und zweitens konzentriert sich die öffentliche Forschungsförderung ebenfalls auf die Krankheiten der reichen Länder. Die Folge ist, dass von mehr als 1.500 medizinischen Wirkstoffen, die zwischen 1975 und 2004 neu entwickelt wurden, nur 21 für vernachlässigte Krankheiten, inklusive Tuberkulose und Malaria, bestimmt waren. Trotz einiger Fortschritte in den letzten Jahren gibt es nach wie vor eine gravierende Forschungslücke bei Krankheiten, an denen global gesehen die meisten Menschen leiden oder sterben. Der Druck wächst, auch Forschungsergebnisse, die durch öffentliche Mittel finanziert wurden, kommerziell zu verwerten. Dies trägt ebenfalls zur mangelnden Verfügbarkeit von Medikamenten, Impfstoffen und Diagnostika für vernachlässigte Krankheiten bei. Die Bundesrepublik Deutschland beteiligt sich im internationalen Vergleich nur weit unterdurchschnittlich an den Forschungskosten. Als Beispiel sei hier die Tuberkulose-Forschung genannt, in die die Bundesrepublik Deutschland 2007 nur 7,5 Millionen. Euro investiert hat, während der insgesamt benötigte Bedarf bei 1,5 Milliarden Euro liegt. Zum Vergleich: Die USA gaben 136,8 Millionen Euro für die TB-Forschung aus.  Selbst unter Berücksichtigung der EU-finanzierten Forschung und der größeren Wirtschaftskraft ist der US-Beitrag relativ gesehen rund drei mal so hoch.</p>
<h3>Politische Rahmenbedingungen</h3>
<p>Die Mitgliedsstaaten der WHO haben im Mai 2008 den Aktionsplan „Global Strategy on Public Health Innovation and Intellectual Property“ verabschiedet, der diese Forschungslücke schließen soll. Zu den darin genannten Einzelmaßnahmen gehören der Ausbau der Forschungsförderung, die Schaffung neuer Anreize für die kommerzielle und nicht-kommerzielle Forschung (z.B. Forschungsprämien) sowie die Unterstützung neuer, nicht-kommerzieller Forschungsmodelle (z.B. Produktentwicklungspartnerschaften). Zur selben Zeit erteilte der Bundestag der Bundesregierung den Auftrag, ein „breites Spektrum von Plattformen“ zu fördern, um die Forschung zu den Gesundheitsbedürfnissen von Menschen in ärmeren Ländern zu verbessern. Die Verantwortung hierfür wurde dem Bundesforschungsministerium (BMBF) übertragen. Das BMBF hat seither einige Schritte unternommen und schon existierende Förderungs­mechanismen gestärkt, wie das EU-Programm „European and Developing Countries Clinical Trials Partnership“ (EDCTP). Diese Maßnahmen sind aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein.</p>
<p><strong>Daher fordern wir als Organisationen und Einzelpersonen aus Zivilgesellschaft, Politik, Medizin und Forschung ein Umdenken! Um vernachlässigte Krankheiten nachhaltig zu bekämpfen, brauchen wir mehr Forschungsinvestitionen, und es müssen neue Förderungsmodelle eingesetzt werden.</strong></p>
<p><strong>Deutschland erhebt den Anspruch, eine „Vorreiterrolle“ im Bereich von Forschung und Entwicklung einzunehmen. Deutschland sollte sich daher seiner Verantwortung stellen! Hier sind die Bundesregierung, insbesondere das Forschungsministerium, und der Bundestag gefragt.</strong></p>
<p>﻿﻿﻿</p>
<h3>Forschungslücke „vernachlässigte Armutskrankheiten“ schließen: Forschung fördern</h3>
<ul>
<li>Erhöhung der      Forschungsmittel.</li>
<li>Schaffung eigener      Budgetlinien mit zweckgebundenen Mitteln.</li>
<li>Keine Vermischung mit      „seltenen“ Krankheiten, die in Industrieländern vorkommen.</li>
<li>Unterstützung klinischer      Forschung.</li>
<li>Stärkere Unterstützung der      Institute, die schon mehr in diesem Bereich arbeiten.</li>
<li>Aufstockung von Programmen      der DFG und der Gemeinschaften der außeruniversitären Forschungsinstitute,      bis hin zur Neugründung von Instituten.</li>
</ul>
<h3>Product Development Partnerships (PDPs) fördern</h3>
<ul>
<li>PDPs      als wichtiges Forschungsmodell für die nichtkommerzielle Forschung müssen      gefördert werden.</li>
<li>Eine      eigenständige Budgetlinie zur institutionellen Förderung von PDPs erhöht      Transparenz und Planungssicherheit.</li>
<li>Die      Förderung darf sich nicht auf deutsche Forscher/innen oder Institutionen      beschränken, da PDPs international agieren.</li>
<li>Bei      PDP-Forschung entstehende geistige Eigentumsrechte dürfen den Zugang zu      den entwickelten Produkten nicht behindern.</li>
</ul>
<h3>Neue Anreizmodelle: Prämien</h3>
<ul>
<li>Forschungsprämien sind ein      mögliches Alternativmodell für neue Forschungsanreize.</li>
<li>Förderung von      Pilotprojekten, z.  B. Tuberkulose-Schnelltest.</li>
<li>Prämierte Projekte sollten      als Allgemeingut zur Verfügung stehen.</li>
</ul>
<h3>Zugang als wichtige Rahmenbedingung</h3>
<ul>
<li>Produkte müssen allen      Menschen zugänglich sein. Deshalb sollte die Generika-Herstellung      Priorität haben.</li>
<li>Wichtige Modelle dafür sind      nicht-exklusive Lizenzen, offene Lizenzen, Equitable Licensing, Open      Source Modelle, Festsetzung von Maximalpreisen.</li>
<li>Die bisherigen Vorgaben      einer gewinnorientierten Patentverwertung für öffentliche Forschung sollte      reformiert werden, um mehr nicht-kommerzielle Projekte zu ermöglichen und      den Zugang auch für arme Länder zu sichern.</li>
</ul>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.aufruf-zum-handeln.de/wp-content/uploads/2010/03/Aufruf-zum-Handeln2.pdf">Aufruf zum Handeln</a></p>
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